„Du schützt das Klima falsch!“

Demorede bei den Waidhofner Klimaprotesten

He, du! Hast du schon einmal Fleisch gegessen. Ja, du da drüben: Hast du schon einmal eine Serie auf Netflix gestreamt? Du weißt aber schon, dass das eine Auswirkung auf den ökologischen Fußabdruck hat oder?

Ja, auch ich bekomme immer wieder diese Fragen gestellt. Und ja, auch mich bringen diese Fragen zum Nachdenken. In meinem Freundeskreis führen sie auch immer wieder zu Diskussionen: Sollen wir uns auf die individuelle Ebene fokussieren oder uns auf der Straße über die Politik für eine bessere Welt engagieren?

Anfangs war es mir ganz klar: Ich ändere meine Lebensweisen, um klimaneutral zu leben. Vieles habe ich verändert und positiv auf die Zukunft geblickt. Online habe ich mir meinen ökologischen Fußabdruck ausgerechnet. Hoppalla – Viel zu groß!! Wie gibt es das? Ja ganz klar, das Problem ist der graue Bereich. Also der Bereich, den ich nicht direkt beeinflussen kann.

Puhh, schaut nicht so gut aus, dass ich meinen individuellen Fußabdruck verkleinern kann. Bringt also mein individuelles Verhalten gar nichts?

Nein, das stimmt nicht ganz. In der Psychologie gibt es den sogenannten Zuschauereffekt. Das heißt: Wer in den Nachrichten von der Klimakrise hört, aber niemanden sieht, der reagiert, nimmt das Problem weniger ernst – oder gar nicht wahr. Wer jedoch im Gegenzug kein Fleisch isst oder nicht mehr fliegt, sendet ein Signal aus. Das eigene Verhalten ist also nicht primär wichtig, weil man damit CO2 reduziert. Sondern weil man damit andere animiert.

Doch wie vorhin schon erwähnt, braucht es auch Rahmenbedingungen. Und diese Bedingungen muss die Politik schaffen: es braucht große Reformen, neue Gesetze, schlaue Förderungen und riesige Investitionen. Es fragt mich schließlich auch niemand danach, was ich persönlich zur Senkung der Arbeitslosigkeit beitrage. Dazu gibt’s die Arbeitsmarktpolitik und für Klimaschutz ist eben die Klimapolitik verantwortlich.

Also an alle meine FreundInnen und an mich selbst: Wir schauen doch eigentlich in dieselbe Richtung, wieso also ständig darüber diskutieren, was wichtiger sei: individuell oder strukturell. Es darf nicht entweder oder heißen, sondern immer sowohl als auch.