Trendwende braucht eindeutige Signale

Über 40 Interessierte waren am 26.3. beim Online-Vortrag mit Ulrich Leth von der Technischen Universität Wien dabei. Georg Wagner vom Team der Waidhofner Klimaproteste stellte in seiner Begrüßung klar, dass man mit seriösen verkehrswissenschaftlichen Erkenntnissen einen Beitrag zur Diskussion um den weiteren Ausbau der B121 leisten wolle.

Der Referent zeigte am Beginn sehr anschaulich, wie der große Zuwachs der Treibhausgas-Emissionen im Verkehr gelungene Einsparungen in anderen Sektoren wieder wettgemacht hat und damit effektive Fortschritte in der gesamten österreichischen Klima-Bilanz verhindert hat. Beim Blick auf den Pfad zur Klimaneutralität des Verkehrswesens bis Mitte des Jahrhunderts wurde klar, dass der Umstieg des momentanen motorisierten Straßenverkehrs auf E-Mobilität alleine nie ausreichen werde. Es brauche eine deutliche Verlagerung hin zum aktiven Verkehr (zu-Fuß-gehen und Radfahren) und zum öffentlichen Verkehr.

Um diese Verlagerung und eine Trendwende herbeizuführen, forderte Leth eine eindeutige Priorisierung: „Ein gleichzeitiger Ausbau von öffentlichem Verkehr bzw. Geh- und Radwegen und der Straße bringt keine Verkehrsverlagerung, das kann die Verkehrswissenschaft belegen.“ Es müssen daher klimafreundliche Mobilitätsformen mit Entschiedenheit gefördert werden, zugleich die Anreize zum Autoverkehr reduziert werden. Eine sehr wirkungsvolle Reduktionsmaßnahme wäre die vom Umweltbundesamt schon vor geraumer Zeit erhobene Forderung nach den Tempolimits 80/100 auf Freilandstraßen bzw. Autobahnen. Diese Limits hätten auch eine deutliche Verringerung der Emissionen zur Folge. Erfolgreiche regionale Maßnahmen sind auch Innenstädte mit einem generellen Tempolimit von 30 km/h.

Immer schnellere und leistungsfähigere Straßen quer über das ganze Land und zwischen den einzelnen Regionen haben zudem deutliche Auswirkungen auf die Kaufkraftbewegungen. Herr Leth zeigte das am Beispiel Oberösterreich, wo aus den peripheren Regionen ganz massiv Kaufkraft in die großen Zentren abfließt. Dieser Effekt wird durch Hochleitungsstraßen noch gefördert – mit den bekannten Folgen wie wirtschaftlicher Verwaisung der Innenstädte und Ortskerne.

In der anschließenden Diskussion mit den Teilnehmenden folgte eine verdichtete Auseinandersetzung mit dem Thema Verkehr: Wie bringt man Menschen dazu, auf öffentlichen Verkehr umzusteigen und sollte dieser generell gratis sein? Wie werden autonome Autos unser Verkehrsverhalten beeinflussen? Welche Erfolgschancen haben Sharing-Angebote für die Zukunft? Welche Aspekte sollten RegionalpolitikerInnen bei ihren verkehrspolitischen Entscheidungen einfließen lassen? Nach dem Abend war klar, dass es für die generelle Verkehrsentwicklung in der Region und im Speziellen für die Pläne nach einem weiteren vierspurigen Ausbau der B121 noch genügend Diskussionsbedarf gibt. Die OrganisatorInnen hielten fest: „Der Vortrag von Herrn Leth hat eine wissenschaftliche Expertise in diese Diskussion gebracht. Weil uns die nachhaltige und erfolgreiche Entwicklung der Region wichtig ist, wird von unserer Seite die Kommunikation mit den BürgermeisterInnen natürlich weiterhin aufrechterhalten.“

Die Videoaufzeichnung in Original-Qualität ist auch unter folgendem Link zum Download bereitgestellt:

https://drive.google.com/file/d/17Yaz52DZAwcjAjd5gKbR_PDehkBLR6tB/view?usp=sharing